Wortkunst trifft Winkelmaß beim Poetry Slam
Am 13. Dezember öffnete das Bremer Logenhaus seine Türen für eine besondere Premiere: Mit dem „Mason meet Slam Vol. 1“ fand erstmals ein Poetry Slam in den Räumen der humanitären Freimaurerlogen statt. Der Abend wurde gemeinsam von den stadtbremischen humanitären Freimaurerlogen und der Bremer Künstlerin Ela Fischer veranstaltet. Ela Fischer hat die Teilnehmenden ausgewählt und die Themen kuratiert. Dabei bezeichnet sie sich selbst augenzwinkernd als „Großmutter des Bremer Poetry Slams“.
Vier Slammer:innen aus Bremen und Bremerhaven nahmen teil: Simeon Buß, Rebecca van Smyt, Elias Naeb sowie eine noch minderjährige Schülerin aus Bremen. In zwei Runden präsentierten sie ihre Texte zum Thema „Wahrheit“. Wer eine Runde weiterkam und schließlich gewann, entschied dabei das Publikum selbst. Über ein sogenanntes „Applaudimeter“ wurde der Beifall in Dezibel gemessen – eine unmittelbare, transparente und zugleich spielerische Form der Abstimmung.
Poetry Slam, so brachte es Simeon Buß treffend auf den Punkt, sei ein „Training für fünf Minuten durchgehende Aufmerksamkeit“. Genau das war an diesem Abend spürbar: konzentriertes Zuhören, gespannte Stille und ehrlicher Applaus. Die Texte waren persönlich, politisch, humorvoll oder schmerzhaft ernst und immer authentisch. Dass die auftretenden Slammer:innen keine Freimaurer sind, erwies sich dabei als Stärke: Der Abend lebte vom offenen Austausch zwischen freier Kunst und freimaurerischem Werteverständnis.
Spenden für innovatives Bildungsprojekt
Als Gewinner des „Mason meet Slam“ ging schließlich Elias Naeb aus Bremerhaven hervor. Mit einem bewegenden autobiografischen Text schilderte er seine Erinnerungen an das Miterleben der rechtsextremistischen Brandanschläge von Mölln aus der Perspektive eines Kindes. Seine Worte berührten viele der Anwesenden und machten deutlich, wie sehr persönliche Geschichte und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verwoben sind.
Traditionsgemäß durfte der Gewinner bestimmen, welchem guten Zweck die Spenden des Abends zugutekommen sollten. Elias Naeb entschied sich für das Projekt „Bildung ohne Bücher“. Der Verein setzt sich dafür ein, geflüchteten und analphabetischen Kindern und Erwachsenen Bildung zu ermöglichen – unabhängig von klassischen Schulbüchern. Das Projekt wurde von der Autorin und Aktivistin Sadaf Zahedi aus Bremen gegründet und betrachtet Bildung als grundlegendes Menschenrecht.
Der „Mason meet Slam Vol. 1“ hat gezeigt, was möglich ist, wenn Tradition auf Gegenwart trifft: Das Logenhaus wurde zu einem offenen Raum für Sprache, Wahrheit und Zuhören. Es war ein Abend, der keine Antworten liefern wollte, sondern Fragen stellte – und damit ganz im Sinne des freimaurerischen Gedankens wirkte. Dass dies erst der Anfang war, darin waren sich am Ende viele einig.