Rückblick „Jüdisches Leben in Bremen“
Der große Saal im Bremer Logenhaus war gut gefüllt, als Dr. Grigori Pantijelew von der Jüdischen Gemeinde Bremen über „Jüdisches Leben in Bremen“ am 16. Oktober 2025 sprach. Der Abend markierte den Beginn eines offenen Austauschs zwischen den Freimaurern des Hauses in der Kurfürstenallee 15 und Mitgliedern der jüdischen Gemeinde – ein Dialog, der verbindet, wo Unterschiede trennen könnten.
Dr. Pantijelew zeichnete die bewegte Geschichte jüdischen Lebens in Bremen nach – von den ersten Ansiedlungen in napoleonischer Zeit über Zeiten der Ausgrenzung bis hin zum Wiederaufbau nach 1945. Heute zählt die Gemeinde rund 800 Mitglieder, viele von ihnen mit Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion. Trotz wachsender Vielfalt steht die Gemeinschaft vor Herausforderungen wie Überalterung und einer zurückhaltenden Sichtbarkeit im öffentlichen Raum.
Mit großer Offenheit sprach der Referent auch über die Gegenwart: über die wachsende Unsicherheit vieler Juden, ihre Religion öffentlich zu zeigen, und über die schmerzhaften Erfahrungen mit antisemitischen Anfeindungen, die seit dem Gaza-Krieg wieder zugenommen haben.
Organisiert wurde der Abend vom Bremer Logenhausverein und der Freimaurerloge Herder, deren Meister vom Stuhl Rolf Fraedrich durch die Veranstaltung führte. Statt eines Honorars wurde für die Förderung jüdischer Studierender an der Universität Bremen gesammelt. Zum Dank überreichten die Brüder dem Referenten die drei Rosen – das Symbol brüderlicher Wertschätzung – sowie eine Flasche Wein.
Der Vortrag und die lebhafte Diskussion danach machten deutlich, wie wichtig Begegnung, Wissen und Austausch sind, um Vorurteile zu überwinden. Freimaurer stehen für Toleranz, Menschlichkeit und die Suche nach Wahrheit – Werte, die an diesem Abend nicht nur besprochen, sondern gelebt wurden. 🌹
Bild © Matthias Poppe